Das Pushen von Film ist eine Technik, mit der man die Eigenschaften eines Filmmaterials erweitern und so auch bei schwachem Licht fotografieren kann. Das Prinzip ist einfach: Man unterbelichtet den Film absichtlich in der Kamera und gleicht dies anschließend durch Überentwicklung aus.
Was bedeutet „Film schieben“?
Bei der Entwicklung von Schwarzweißfilmen hat jede Film-Entwickler-Kombination eine spezifische Entwicklungszeit. Diese Zeit variiert je nach ISO-Wert, mit dem der Film belichtet wurde.
Wenn Sie einen Film mit der auf der Verpackung angegebenen Empfindlichkeit belichten, bedeutet das, dass Sie ihn mit der vom Hersteller empfohlenen und auf der Filmverpackung angegebenen ISO-Empfindlichkeit belichtet haben.
Die Filmempfindlichkeit (ISO) gibt an, wie lichtempfindlich ein Film ist:
Höherer ISO-Wert → höhere Lichtempfindlichkeit, stärkeres Filmkorn.
Niedrigere ISO-Werte → geringere Empfindlichkeit, feineres Bildkorn.
Unterbelichtung und Entwicklung
Wenn Sie an Ihrer Kamera einen höheren ISO-Wert einstellen als die auf dem Film angegebene Empfindlichkeit, signalisieren Sie der Kamera, dass der Film empfindlicher ist, als er tatsächlich ist. Dadurch erhält jedes einzelne Bild weniger Licht – es kommt zu einer Unterbelichtung.
Um diesen Lichtmangel auszugleichen, muss der Film überentwickelt werden. Eine längere Entwicklungszeit trägt dazu bei, Details sowohl in den Lichtern als auch in den Schatten wiederherzustellen.
Wichtig: Sie können einzelne Bilder oder einen ganzen Film unterbelichten. Wenn Sie den Film jedoch pushen möchten, müssen Sie den gesamten Film durchgehend unterbelichten.
ISO-Einstellung bei Filmkameras
Beim Einlegen des Films muss die Kamera die ISO-Empfindlichkeit des Films kennen. Dies kann auf zwei Arten geschehen:
1. Manuell, mithilfe eines ISO-Drehknopfes;
2. Automatisch durch Auslesen des DX (ISO)-Codes auf der Filmdose.
Viele moderne Kameras ermöglichen die manuelle Einstellung des ISO-Werts. Einige Kameras – insbesondere Kompaktkameras – bieten diese Möglichkeit jedoch nicht.
Den ISO-Code knacken
Die meisten Kompaktkameras lesen den DX-Code automatisch und stellen die Belichtung entsprechend ein, ohne manuelle Steuerung zu ermöglichen. Das macht das Pushen von Filmen schwierig – es sei denn, man ändert den DX-Code selbst.
Durch physisches Verändern des DX-Codes auf der Filmdose kann man die Kamera austricksen und ihr vorgaukeln, dass man einen Film mit höherer ISO-Empfindlichkeit verwendet.
Beispiel:
Ilford HP5 Plus ist mit ISO 400 spezifiziert. Durch Ändern des DX-Codes auf ISO 1600 belichtet die Kamera den Film, als wäre er zwei Blendenstufen empfindlicher. Das bedeutet, dass jedes Bild weniger Licht erhält und der Film somit effektiv um zwei Blendenstufen unterbelichtet wird.
Diese Technik ermöglicht Ihnen Folgendes:
- bei schwachem Licht fotografieren;
- kürzere Verschlusszeiten verwenden;
- Verringern Sie die Blendenöffnung für eine größere Schärfentiefe.
Im Labor
Wenn Sie Ihren Film zur Entwicklung einreichen, geben Sie bitte immer die ISO-Empfindlichkeit an, mit der der Film belichtet wurde, oder wie viele Blendenstufen er gepusht wurde. Das Labor passt die Entwicklungszeit entsprechend an.
Den richtigen Film auswählen
Die analoge Fotografie erfordert in jedem Schritt bewusste Entscheidungen. Die Wahl des richtigen Films erfordert ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Empfindlichkeit, Körnung, Kontrast und der Gesamtbildqualität.
Bonus-Tipp: Manche Filme lassen sich besser pushen als andere. Besonders gut gefällt uns Ilford HP5 Plus beim Pushen – er gewinnt an Kontrast und behält gleichzeitig ein angenehmes Gleichgewicht zwischen Lichtern und Schatten.
Farbnegativfilme lassen sich zwar pushen, dies führt jedoch häufig zu erhöhtem Kontrast und Farbverschiebungen. Daher empfehlen wir, Schwarzweißfilme anstelle von Farbnegativen zu pushen.